Frau Mechthild Kuske

This was published in the following publications on 22.08.2015:
Bremervörder Zeitung

<p>Nachruf<br />Am 25. Juli 2015 erhielt ich vom Amtsgericht Bremervörde die völlig überraschende Mitteilung, dass meine Mutter,</p><p>Frau Mechthild Kuske<br />am 30. Juni 2015 verstorben sei.<br />Obwohl sie eigentlich seit 1940 nur meine Stiefmutter war, weil meine leibliche Mutter, als ich<br />knapp ein Jahr alt war, im Jahr 1938 in Berlin gestorben war, was ich übrigens erst 1955 durch<br />Zufall entdeckte, verband uns über viele Jahre eine recht enge und unbelastete Zusammengehörigkeit, die besonders durch das gemeinsame Erleben und Bewältigen der letzten Jahre<br />während des Krieges und vorwiegend der Jahre danach bis hin zur anhaltend gemeinsamen<br />Zeit in Bremervörde geprägt war.<br />Sie hatte, zum großen Teil ohne weitere Hilfe und insbesondere ohne meinen Vater, der uns<br />durch den Krieg und die danach folgende Gefangenschaft eben fehlte, über diese schweren<br />Jahre spürbar uneigennützig für meine Schwester und mich gesorgt. Und auch in der Zeit<br />danach, in der mein Vater durch den plötzlichen kurzfristigen Zusammenbruch der Führung<br />einer der beiden Siemens-Firmen in Berlin, wo er bereits als Syndikus vorgesehen war und<br />durch die zum Teil schweren gesundheitlichen Folgen aus einer Kriegsverwundung und aus<br />der erniedrigenden Behandlung deutscher Kriegsgefangener in der amerikanischen Gefangenschaft zu einer totalen beruflichen Umorientierung gezwungen wurde, war meine nun<br />verstorbene Mutter der eigentliche Halt in unserer Familie, bis mein Vater auch dank dieser<br />Entlastung beruflich als Rechtsanwalt und Notar neu Fuß fassen konnte, und wir, über<br />mehrere Stationen in West-Deutschland und zuletzt noch unter verschiedenen Adressen in<br />Bremervörde und bei zwar immer währenden, doch durch das Mittragen seitens der Mutter<br />verstehbaren Entbehrungen, es endlich familiär vereint schafften, in der Hermann-LönsStraße 21 ein eigenes Heim zu gründen, aus dem heraus meine Schwester und ich fast nur<br />unter ihrem mütterlichen Umsorgtsein den Weg ins Leben finden konnten.<br />Eine Veränderung in unserer Familie führte in den Folgejahren nach 1956, zuerst beinahe<br />unmerklich, zu einer zunehmenden Entfremdung zwischen meiner Mutter und mir, die ich<br />anfangs durch oftmalige Kontakte zu meiner Schwester und ihrer Familie noch über einige<br />Jahre kompensieren konnte. Doch nach dem Tode meines Vaters im Jahr 1982 verstärkte<br />sich dieser wohl auch fremdbestimmte Bruch in unserer Beziehung zunehmend, so dass ich,<br />auch bewirkt durch altersbedingte Erkrankungen der Mutter, nur noch über meine Schwester<br />indirekte Begegungen „erleben“ konnte.<br />Durch die Information vom Amtsgericht Bremervörde war mir dann vollends klar geworden,<br />dass ich wohl schon lange in meiner Familie abgeschrieben war, ich aber nie mehr sicher erfahren werde, ob das ingesamt auch dem eigenen Willen meiner Mutter entsprochen hätte.<br />53840 Troisdorf, 10. August 2015</p><p>Horst Kuske mit Ehefrau Renate</p>

Nachruf
Am 25. Juli 2015 erhielt ich vom Amtsgericht Bremervörde die völlig überraschende Mitteilung, dass meine Mutter,

Frau Mechthild Kuske
am 30. Juni 2015 verstorben sei.
Obwohl sie eigentlich seit 1940 nur meine Stiefmutter war, weil meine leibliche Mutter, als ich
knapp ein Jahr alt war, im Jahr 1938 in Berlin gestorben war, was ich übrigens erst 1955 durch
Zufall entdeckte, verband uns über viele Jahre eine recht enge und unbelastete Zusammengehörigkeit, die besonders durch das gemeinsame Erleben und Bewältigen der letzten Jahre
während des Krieges und vorwiegend der Jahre danach bis hin zur anhaltend gemeinsamen
Zeit in Bremervörde geprägt war.
Sie hatte, zum großen Teil ohne weitere Hilfe und insbesondere ohne meinen Vater, der uns
durch den Krieg und die danach folgende Gefangenschaft eben fehlte, über diese schweren
Jahre spürbar uneigennützig für meine Schwester und mich gesorgt. Und auch in der Zeit
danach, in der mein Vater durch den plötzlichen kurzfristigen Zusammenbruch der Führung
einer der beiden Siemens-Firmen in Berlin, wo er bereits als Syndikus vorgesehen war und
durch die zum Teil schweren gesundheitlichen Folgen aus einer Kriegsverwundung und aus
der erniedrigenden Behandlung deutscher Kriegsgefangener in der amerikanischen Gefangenschaft zu einer totalen beruflichen Umorientierung gezwungen wurde, war meine nun
verstorbene Mutter der eigentliche Halt in unserer Familie, bis mein Vater auch dank dieser
Entlastung beruflich als Rechtsanwalt und Notar neu Fuß fassen konnte, und wir, über
mehrere Stationen in West-Deutschland und zuletzt noch unter verschiedenen Adressen in
Bremervörde und bei zwar immer währenden, doch durch das Mittragen seitens der Mutter
verstehbaren Entbehrungen, es endlich familiär vereint schafften, in der Hermann-LönsStraße 21 ein eigenes Heim zu gründen, aus dem heraus meine Schwester und ich fast nur
unter ihrem mütterlichen Umsorgtsein den Weg ins Leben finden konnten.
Eine Veränderung in unserer Familie führte in den Folgejahren nach 1956, zuerst beinahe
unmerklich, zu einer zunehmenden Entfremdung zwischen meiner Mutter und mir, die ich
anfangs durch oftmalige Kontakte zu meiner Schwester und ihrer Familie noch über einige
Jahre kompensieren konnte. Doch nach dem Tode meines Vaters im Jahr 1982 verstärkte
sich dieser wohl auch fremdbestimmte Bruch in unserer Beziehung zunehmend, so dass ich,
auch bewirkt durch altersbedingte Erkrankungen der Mutter, nur noch über meine Schwester
indirekte Begegungen „erleben“ konnte.
Durch die Information vom Amtsgericht Bremervörde war mir dann vollends klar geworden,
dass ich wohl schon lange in meiner Familie abgeschrieben war, ich aber nie mehr sicher erfahren werde, ob das ingesamt auch dem eigenen Willen meiner Mutter entsprochen hätte.
53840 Troisdorf, 10. August 2015

Horst Kuske mit Ehefrau Renate

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